Interessantes ?

Grüne Tomaten

Jetzt wird der Garten abgeräumt und damit die Tomatenstauden. Doch wohin mit den grünen Früchten? Man kann sie in Papier wickeln, an einen warmen Platz schaffen, wöchentlich nachschauen, ob sie bereits vergammelt oder vielleicht doch errötet sind und sie dann zu einer hellroten Suppe zubereiten-die eigentlich nur Mama zuliebe ausgelöffelt wird. Man kann auch Marmelade davon kochen, wobei sich niemand so richtig gerne die grün.gelbliche Pampe auf die frische Semmel streicht. Auch Chutney kann man aus grünen Tomaten machen und zu diesem Zweck Senfkörner, Ingwer, Pepperoni.....besorgen, damit das Ganze überhaupt Geschmack bekommt. Dann stellt man sich noch eine Weile hinter den Herd und schließlich die Gläser in den Keller. Dort bleiben sie, manchmal bis zur nächsten Tomatenernte und darüberhinaus, denn so richtig scharf ist niemand auf die grüne Soße. Bei jedem Kellerbesuch kann man darüber nachdenken, was in diesen Vorräten steckt. Wenn man gut drauf ist, kann man auch mal die Jahrgänge vergleichen, welcher am besten schmeckt-wie bei großen Weinen, eingeweckten Birnen, Zwetschgenmus, Stachelbeergelee, Pflaumenkompott.... . Und wenn es wieder ans Garten abräumen geht, kommt der Gedanke auf, klammheimlich einen Kübel voller grüner Früchte ganz schnell verschwinden zu lassen.-Um sich selbst etwas Gutes zu tun, weil es sinnvoller ist, die Beine hochzulegen, als stundenlang in der Küche zu stehen und Vorräte anzulegen, die keiner isst. Solche Mußestunden zeitigen übrigens gute Ideen: nächstes Jahr eine frühreife Sorte zu pflanzen, dann hängen im Herbst ohnehin nur noch wenige grüne Tomaten an der Staude. Und falls je ein Familienmitglied auf die Idee kommen könnte, grüne Tomaten auf den Misthaufen zu werfen, wäre Verschwendung, kann man das entkräften mit dem Hinweis auf das giftige Solanin in den unreifen Früchten. Sicher, gestorben ist noch niemand daran, aber in den Ruin hat es auch noch niemanden getrieben, weil er grüne Tomaten einfach kompostiert hat.

Entnommen aus dem Bayerischen Landwirtschaftlichen Wochenblatt vom 16.10.2004

aufs Korn genommen von Anna Knon